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Bericht des Vorsitzenden zur Jahreshauptversammlung des TSV Kaldenkirchen am 24.05.2019

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Sportskameradinnen und –kameraden im TSV!

Der Vorsitzende hat alljährlich einen Rechenschaftsbericht vorzulegen. Ich könnte Euch und Ihnen eine Kürzestfassung vortragen, etwa der Art: die Finanzen sind in Ordnung, die Mitgliederzahlen sind stabil, das Vereinsleben funktioniert sportlich, sozial und organisatorisch, die Funktionärinnen und Funktionäre in Vorstand und den Abteilungen leisten am Schreibtisch, auf dem Platz und in den Turnhallen gute und engagierte Arbeit – und das alles ehrenamtlich. Die Welt ist beim TSV ist in Ordnung.
Das stimmt, ist aber doch zu wenig.

I. Grundsätzliches zunächst:

Zunächst das Problem des Kommerzes im Sport: In den beiden Abteilungen Fußball und Handball, die Mannschaftssportarten betreiben, gibt es Jungen- und Mädchen-, Frauen und Männermannschaften. Das ist vorbildlich – auch und gerade, wenn man auf die Vereine unserer Region schaut. Die beiden großen Sportverbände spüren den Rückgang der Kinderzahlen und die Veränderungen im Sportverhalten: viele Vereine mit Fußball- und Handballsportarten müssen Spielgemeinschaften errichten, fusionieren oder ihren Sport einstellen. In Kaldenkirchen ist das nicht so. Toll. Ein Weiteres zeichnet die beiden Abteilungen aus: Sie haben sich entschieden, vor allem mit Kaldenkirchener Jungen und Mädchen, Frauen und Männern ihre Mannschaften zu bilden. Keine Söldner, die bezahlt werden müssen und heute hier und morgen dort spielen. Damit stemmen wir uns gegen den Zeitgeist: die Summen, über die der Kommerzielle Sport vor allem im Fußball verfügt, sind schwindelerregend. Und gerade der Fußballweltverband kennt da keine Grenzen. Das wäre nicht von Belang, wenn es nicht den Amateursport belasten würde: die kommerziellen Angebote von Fußball, Handball, Eishockey usw. suchen Kunden vor dem Fernsehen und im Stadion, das erhöht die Werbeeinnahmen. Und sie belegen mit ihren Angeboten die Freizeitstunden: an jedem Abend an jedem Tag der Woche. Uns gehen dadurch nicht nur die wenigen Sponsoren verloren, die dem Amateursport nahestehen, sondern vor allem Trainer und Betreuer für die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen. Die Damen und Herren mit den Dollarzeichen im Auge sägen an dem Ast, auf dem sie sitzen. Wir haben uns in Kaldenkirchen für einen anderen Weg entschieden: der TSV in Kaldenkirchen für die Kaldenkirchener. Hier kennt man einander, hier spricht man miteinander, hier treibt man miteinander Sport und verbringt seine Freizeit. Das ist unser Kaldenkirchener Zukunftsmodell.
Es gibt ein zweites Problem: die Verdichtung des Gesetzesdschungels. Arbeitsrecht, Sozialversicherungsrecht, Versicherungsrecht, Steuerrecht, Bauordnungsrecht, Waldrecht … das, was ein ehrenamtlich arbeitender Vorstand leisten soll und muss, ist kaum noch zumutbar. Zum Glück kennen wir viele Kundige im TSV, die uns helfen. Aber eigentlich ist das kaum zu schaffen. Und der geschäftsführende Vorstand haftet für alle Entscheidungen, auch mit persönlichem Vermögen. Ich bin da nicht beunruhigt, wir sind gut und sicher unterwegs - aber eigentlich müsste der Gesetzgeber hier nachhaltig einschreiten, um das Vereinswesen nicht insgesamt und auf Dauer zu schädigen. Geklagt wird viel, getan wird nichts.
Ein Letztes: Unser Verein ist wirtschaftlich gesund. Die Abteilungen bewirtschaften ihre Konten selbst, die Hauptkonten verantwortet der Vorstand. Und doch: die Kosten steigen – für die Fachverbände, für die Pflege der Jahnkampfbahn, für die Nebenkosten der Gebäude, für Zusatzaufwendungen aller Art. Unsere Jahnkampfbahn kostet uns rd. 55.000 € netto pro Jahr, die wir aus Beiträgen finanzieren müssen. Unsere Hemden sitzen eng. Wir schlagen deshalb als Vorstand eine leichte Beitragserhöhung vor, vor allem, um die Liquidität der Hauptkasse zu erhöhen. Ich bitte um Unterstützung.

II. Die Abteilungen:

Zunächst und vor allem gilt es, den Abteilungsleitern herzlich zu danken. Sie managen die abteilungen menschlich, sportlich und finanziell., Sie sind die Seele des Vereins. Herzlichen Dank an Elke und Hans Gotzen, an Günter Sirsch, an Josef Curvers, an Friedhelm Janssen und an Rolf Spitzkowsky. Für die Arbeit des vergangenen Jahres verweise ich auf das Jahresheft. Ein Dank an Michael Hönscheid, der dazu wieder die Arbeit übernommen hat.

Die Fußballabteilung.

Neben den vielen sportlichen Aktivitäten ist die Fußballabteilung auch sonst intensiv unterwegs: sie pflegt unsere Jahnkampfbahn. Die Rücklage für die Ablösung der Restfinanzierung des Kunstrasenplatzes steigt weiter an. 2023 bleibt eine Restschuld von rund 80.000 €, die Rücklage beläuft sich inzwischen auf 77.000 €. Auch sonst ist die Abteilung tätig: beim Aufstellen der neuen Beleuchtung, Zaunbau, bei der Pflege des Baumbestandes und des Rasenplatzes sowie bei der Sanierung der Kabinen. Ein neues Projekt ist in Sicht: die Errichtung einer kleinen Tribüne am Kunstrasenplatz. Man kann nicht genug danken für diesen Einsatz.

Die Handballabteilung.

Auch hier: der Spielbetrieb läuft hervorragend und erfolgreich. Im Januar wird 40 Jahre Mitgliedschaft der 1. Herrenmannschaft in der Verbandsliga gefeiert – ein toller Erfolg. Selbstverständlich ist aber auch hier nichts. Die Verträge mit der Stadt – ich habe letztes Jahr davon berichtet – sind inhaltlich nicht in Ordnung. Ein Jahr später kann ich berichten, dass die Stadtverwaltung eine Korrektur signalisiert hat. Schau’n wir mal, sagt der Philosoph Beckenbauer. Und immer wieder unsere Fachverbände: sie diktieren immer höhere Kosten – für IT-Standards, für Schiedsrichter, für Konventionalstrafen aller Art. Die Handballabteilung findet stets Lösungen – ich meine, man sollte das Problem beseitigen, nicht den Aufwand bei der Finanzierung der Kosten erhöhen, wie wir es nun tun müssen.

Die Leichtathletikabteilung.

Die schwierigste Situation hat unsere zweitälteste Abteilung: die Leichtathleten. Wie schon im letzten Jahr vorgetragen, ist es nicht mehr zumutbar, auf einer Anlage von 1950 ohne angemessene technische Voraussetzungen, Sport zu treiben. Nach wie vor gibt es eine Truppe von Sportlerinnen und Sportlern, die guten Sport treiben – die guten Nachwuchskräfte wandern ab -, das Sportabzeichen wird regelmäßig abgenommen. Aber zur Pflege der Grundsportarten Laufen-Werfen-Springen im TSV und in Kaldenkirchen benötigen wir einen Qualitätssprung nach vorne. Den wollen wir in diesem Jahr ernsthaft angehen. Dazu nachher mehr.

Die Tennisabteilung.

Sportlich läuft es auch hier rund. Die Tennisabteilung arbeitet ruhig und zuverlässig. In jedem Jahr wird die Traglufthalle auf- und abgebaut. Sie ist die einzige in Nettetal und ermöglicht das Tennisspielen auch im Winter. Die Abteilung ist für Unterstützung beim Auf und Abbau aus anderen Abteilungen bei dieser Mammutaufgabe jederzeit dankbar. Die Finanzierung der Traglufthalle ist weit fortgeschritten, bald ist alles bezahlt. Dann gilt es, Rücklagen für Reparaturen und Neubeschaffung anzulegen. Ich bin gerne zu Gast bei der Abteilungsversammlung: eine gut funktionierende Truppe, die Geselligkeit, Sport und Organisation hervorragend meistert.

Die Turnabteilung.

Nach wie vor unsere größte Abteilung. Hier treibt man Sport von 3 bis zu 90 Jahren, in vielen Varianten und unter hervorragender Anleitung der Übungsgleiter/innen. Dank des Einsatzes von Elke und Hans Gotzen läuft alles wie am Schnürchen. Ich hoffe, dass wir es in den nächsten Jahren schaffen, hier weitere ‚niedrigschwellige‘ Sportangebote zu etablieren: Basketball für Jungen und Mädchen mit Musik etwa oder Tischtennis ohne Ligaspiele usw. Von dem Erfolgsprojekt ‚Gesundheitssport‘ habe ich bereits berichtet. Wir haben auch in diesem Jahr unsere Anfrage an die Stadt Nettetal erneuert, ob und unter welchen Kautelen wir als TSV eine Turnhalle in unsere Trägerschaft übernehmen können. Eine Antwort haben wir nicht erhalten, man arbeitet am Schulentwicklungsplan. Wir bleiben am Ball, darf ich versichern. Das Problem muss gelöst werden: wir benötigen mehr und durchgehende Hallenzeiten – ganztags und ganzjährig - in Kaldenkirchen.

III. Sonstiges

Was gibt es ansonsten zu berichten?
1. Unser Verein hat stabile Mitgliederzahlen, über 1.700 Mitglieder. Das spricht für sich. Ich danke Dieter Scholten für die stille und effektive Betreuung unserer Mitglieder und der Mitgliedsbeiträge.
2. Der Jahresetat des TSV liegt bei rd. 380.000 €. Unsere Kasse schreibt schwarze Zahlen. Ich danke unserem Kassierer Stefan Nerl für tausende Buchungen, die er vornimmt.
3. Die Leiterin der Jugendabteilung Maren Marx hat die Initiative zu einem Sommerfest auf der Jahnkampfbahn ergriffen. Wir feiern am 29. Juni ab 15.00 h auf der Jahnkampfbahn. Ich hoffe, dass dies ein großes Familienfest wird. Ich danke dem Vorbereitungsteam, das sich eben noch vor unserer Jahreshauptversammlung getroffen hat - und vor allem Michael Hönscheid für seine aufwändige Koordinierungsarbeit. Ich hoffe, dass die TSV-Familie zahlreich vertreten sein wird.
4. Die Sanierungsarbeiten am Clubheim beschäftigen uns anhaltend. In diesem Jahr wurden neue Fenster eingesetzt werden, im Innern einiges erneuert. Ich danke Jürgen Färvers und seinem Team für die vielen Mühen.
5. Wir haben mit großem Aufwand unsere Steuererklärungen zu fertigen. Unser Steuerbüro in Dülken arbeitet gut und zuverlässig. Ein Dank an Stefan Nerl, der unser Kontaktmann zum Steuerberater ist.
6. Die Pflege der Jahnkampfbahn ist aufwändig. Nach Abzug der städtischen Zuschüsse wenden wir rund 55.000 € p.a. aus Eigenmitteln auf – Vereine, die nur Hallensport betreiben, haben diesen Aufwand nicht zu finanzieren und sind wesentlich bessergestellt. Kein fairer Zustand, um es sportlich auszudrücken. Die ehrenamtlichen Arbeiten sind hinzuzurechnen – sie dürften nochmals rund 25.000 € ausmachen. Eine riesige Arbeit, die der TSV für die Stadt leistet.
7. Danken möchte ich auch unserem Platzwart Ralf Kessels – er leistet gute Arbeit, engagiert, kompetent und fleißig. Der Platzwart ist eine Herzkammer unseres Sports im TSV. Ralf –herzlichen Dank.

IV. Vorstandsarbeit

Zum Schluss ein kurzer Blick auf die Vorstandsarbeit. Wir haben im vergangenen Jahr 9 Mal getagt, jedes Mal rd. 2 Stunden, und dabei jeweils rd. 20 Tagesordnungspunkte abgearbeitet. Alles geht geräuschlos und kameradschaftlich, jede/r bringt seine persönlichen und beruflichen Kenntnisse ein. Diese backstage-Arbeit ist dann am besten, wenn niemand sie bemerkt. Hinzu kommen die organisatorischen Arbeiten in den Abteilungen. Der TSV ist nicht nur fiskalisch ein Großunternehmen. Sport besteht eben auch aus viel Bürokratie, und zwar zunehmend. Das will bewältigt sein. Der Vorstand hat aber auch längerfristige Perspektiven im Auge zu halten. Zum Alltag gehört eine optimale Nutzung der Turnhallen. Wir haben einen weiterhin zunehmenden Bedarf an Hallenstunden. Es ist deshalb wichtig, dass Hallenstunden, die nicht benötigt werden, gemeldet und von anderen TSV-Gruppen genutzt werden können. Die Hallennutzung koordiniert Elke Gotzen. Ich bitte alle, dies auch so umzusetzen. Hallenstunden zu bunkern, ist unkameradschaftlich - und kostet zudem Miete: wir zahlen auch gebuchte, aber nicht genutzte Stunden. Und Geld haben wir wirklich nicht zu viel.
Zwei Projekte verfolgen wir stetig und mit langem Atem. Über die alleinige Nutzung einer Halle, ganztägig und ganzjährig, habe ich schon gesprochen: das wäre sportlich ein deutlicher Schritt nach vorne. Wir werden bei der Stadtverwaltung am Ball bleiben. Das andere Großprojekt ist die Sanierung des Hauptplatzes auf der Jahnkampfbahn, vor allem: die Errichtung einer Tartanbahn und der technischen Anlagen. In diesem Jahr schüttet das Land NRW zusätzliches Geld für die Sanierung von Vereinsanlagen aus. Wir werden alles versuchen, daran zu partizipieren: es wäre nach dem Bau der Doppelturnhalle, des Kunstrasenplatzes und der Traglufthalle der letzte Baustein bei der Schaffung einer modernen Infrastruktur für den Sport im TSV. Das Projekt wird rd. 500.000 € kosten. Wir werden unsere Eigenleistung erbringen, wir haben das auch bei der Errichtung des Kunstrasenplatzes geschafft. Jetzt oder nie. Wir werden dazu berichten, sobald wir Genaueres wissen. Wir brauchen Unterstützung von allen – im Verein, vom Stadtsportverband und den Politikern -, damit wir dieses Projekt umsetzen können. Last but not least. Wir haben jemanden im Vorstand, der seit dem 1.1.1960 Vereinsmitglied ist, seit 59 Jahren. Er hat Fußball gespielt in allen Jugend- und Seniorenmannschaften, bei den Alten Herren und in den ü50. Jahre lang war er Spieler und Betreuer der 4. Mannschaft und so auch Mitglied des Spielausschusses. Er ist der lebende Beweis, dafür, dass ein Leben ohne Fußball möglich, aber sinnlos ist. Seit 1980 ist er Mitglied im Vorstand, zunächst als Jugendfachwart, seit 1985 als Sozialwart, also Leiter der Mitgliederverwaltung. Er hat damals die Mitgliederverwaltung völlig neu aufgebaut. Sie funktioniert bis heute. Rund 400 Ein- und Austritte und Ummeldungen hat er im Jahr bearbeitet, die Mitgliedsbeiträge eingezogen mit allem Vor- und Rückbuchungen usw., was so dazu gehört, er hat gewusst, wann er helfen muss, wenn jemand arbeitslos wurde und die Familie den Beitrag nicht bezahlen konnte. Er war unser Verbindungsmann zu den Grundschulen. Er ist verschwiegen, hilfsbereit und tatkräftig. Für ihn gilt der bekannte Spruch nicht, dass Kameradschaft ist, wenn der Kamerad schafft. Er hat selbst angepackt, in der Mannschaft, auf dem Platz, in der Organisation des Fußballabteilung und im Gesamtverein. Immer zuverlässig, immer ehrlich, immer vertrauenswürdig. Und er ist ein lustiger Geselle. Seine Achillesverse ist sein Schweigen, das er nur dann unterbricht, wenn es ihm zu viel wird. Dann kann er richtig loslegen. Berühmt ist seine Geselligkeit: Mit dem lockeren Spruch ’ich geh dann mal Karthago erobern‘, konnte er jede 3. Halbzeit zu einem Event machen. Ich habe vom Feeling her kein gutes Gefühl, dass er nun nicht mehr zur Wiederwahl antritt. Für seine Nachfolge hat er gesorgt – es ist ihm nicht egal, wie es weitergeht. Ich weiß, dass er uns helfen wird, wenn wir ihn fragen. Ein Sportkamerad, wie er im Buch steht. Ich danke Dieter Scholten für seine lange aktive Zeit im TSV, als Sportler, als Mitorganisator und im Vorstand: 59 Jahre im TSV, 39 Jahre im Vorstand. Du darfst stolz auf Dich sein. Herzlichen Dank, Dieter.

Ein guter Schlussteil.

Mein Resümee für 2018/19: Wir können auf ein gutes Jahr zurückblicken und haben viel vor. Als Sportler werden wir das angehen. Und: wir wollen nicht verlieren!

Ich danke für Eure Aufmerksamkeit
Dr. Paul Schrömbges, Vorsitzender